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Der betriebliche Ausbildungsplan

Das unterschätzte Herzstück guter Pflegeausbildung – und was KI damit zu tun hat

Es gibt ein Dokument in der Pflegeausbildung, das alles verändern kann. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, berufspädagogisch unverzichtbar und in der Praxis erschreckend häufig entweder nicht vorhanden, auf dem Stand von vor fünf Jahren eingefroren oder so allgemein gehalten, dass es niemandem wirklich nützt.

Die Rede ist vom betrieblichen Ausbildungsplan.

Ich spreche seit über 20 Jahren mit Praxisanleitungen, mit Pflegepädagoginnen, mit Schulleitungen und mit Lernenden selbst. Und ich höre immer wieder dasselbe: Der Ausbildungsplan wird als Pflichtübung betrachtet – als bürokratisches Dokument, das irgendwo abgeheftet wird, damit die Schule keinen Druck macht.

Das ist falsch. Grundlegend falsch.

Und es wird Zeit, das zu ändern.

Das Problem: Ein zentrales Steuerungsinstrument wird zum Formular degradiert

Der betriebliche Ausbildungsplan ist kein Formular. Er ist das pädagogische Fundament der gesamten praktischen Ausbildung.

Er legt fest, welche Kompetenzen die Auszubildenden in welchem Einsatzbereich zu welchem Zeitpunkt erwerben sollen. Er verbindet die schulischen Lerninhalte mit den konkreten Lernsituationen im Betrieb. Er gibt Praxisanleitungen Orientierung, was sie anleiten sollen – nicht nur, wie. Und er ist, laut § 6 Abs. 3 PflBG, ausdrücklich Bestandteil des Ausbildungsvertrags.

Was bedeutet das konkret?

Es bedeutet: Wer keinen betrieblichen Ausbildungsplan hat, verstößt gegen geltendes Recht. Es bedeutet aber auch: Wer einen Plan hat, der nur auf dem Papier existiert, aber nicht gelebt wird, hat zwar formal Recht, aber pädagogisch versagt.

Der Verdi-Ausbildungsreport Pflegeberufe 2024 macht den Zustand schonungslos sichtbar: Einem Drittel der Auszubildenden liegt kein Ausbildungsplan für die gesamte Ausbildungsdauer vor – obwohl das Gesetz genau das verlangt. Nur 20 Prozent haben diesen Plan mit dem Ausbildungsvertrag erhalten, wie gesetzlich vorgeschrieben.

Das ist kein Randproblem. Das ist der Normalzustand in weiten Teilen der Branche.

Und dieser Normalzustand kostet uns Fachkräfte. Denn wir wissen aus den vorliegenden Daten zu Ausbildungsabbrüchen: Fehlende Struktur, unklare Verantwortlichkeiten und das Gefühl, „nicht wirklich ausgebildet zu werden", sind zentrale Abbruchgründe. Der betriebliche Ausbildungsplan – richtig entwickelt und konsequent umgesetzt – ist das wirksamste Gegenmittel.

Aktuelle Entwicklung: Was sich geändert hat – und warum es jetzt brennt

Die generalistische Pflegeausbildung nach dem Pflegeberufegesetz (PflBG) von 2020 hat die Anforderungen an den betrieblichen Ausbildungsplan grundlegend verändert. Die Vielfalt der Einsatzorte, die unterschiedlichen Abschlussoptionen, die hochschulische Pflegeausbildung mit dualen Studiengängen – all das macht die Ausbildungsplanung komplexer als je zuvor.

Gleichzeitig stehen Praxisanleitungen unter einem Druck, der vor zehn Jahren kaum vorstellbar war. Die 300-Stunden-Qualifikation ist Pflicht. Die 24 Stunden jährliche Fortbildungspflicht ist gesetzlich verankert. Die 10 Prozent strukturierte Praxisanleitung müssen nachgewiesen werden. Und all das soll geleistet werden – neben dem ohnehin strapazierten Pflegealltag.

Hinzu kommt etwas, das viele in der Berufsbildung noch gar nicht auf dem Schirm haben: Künstliche Intelligenz hält Einzug in die Ausbildung. Nicht irgendwann. Jetzt. Bereits heute nutzen Auszubildende KI-Tools zur Prüfungsvorbereitung, zum Erstellen von Lernaufgaben, zur Recherche. Lehrkräfte stehen vor der Frage, wie sie damit umgehen. Praxisanleitungen fragen sich, was das für ihre Arbeit bedeutet.

Wer jetzt nicht handelt – wer jetzt nicht die berufspädagogische Kompetenz aufbaut, um mit diesen Entwicklungen souverän umzugehen –, der wird in wenigen Jahren nicht mehr anschlussfähig sein.

Die Herausforderungen: Was Praxisanleitungen und Lehrkräfte wirklich brauchen

Ich bilde Praxisanleitungen fort. Seit 20 Jahren. Und seit Neuem auch Lehrkräfte und Teams an Pflegeschulen. Und ich weiß: Die Probleme sind real, aber lösbar.

Herausforderung 1: Der betriebliche Ausbildungsplan ist komplex.
Einen guten betrieblichen Ausbildungsplan zu entwickeln, der auf das schulische Curriculum abgestimmt ist, die Kompetenzen der PflAPrV konkretisiert, die spezifische Versorgungsform der Einrichtung berücksichtigt und für alle Einsatzbereiche operationalisierbar ist – das ist anspruchsvolle Bildungsarbeit. Viele Praxisanleitungen wurden dafür schlicht nicht ausgebildet.

Herausforderung 2: Theorie und Praxis bleiben zu oft getrennte Welten.
Der Ausbildungsplan soll das Bindeglied zwischen schulischer und betrieblicher Ausbildung sein. Aber in der Realität wird er zu selten mit den Schulen abgestimmt. Praxisanleitungen kennen den schulischen Lehrplan nicht. Lehrkräfte kennen die betrieblichen Bedingungen nicht. Das Ergebnis: Auszubildende erleben Theorie und Praxis als zwei voneinander unabhängige Parallelwelten. Das ist das Gegenteil von kompetenzorientierter Ausbildung.

Herausforderung 3: Die Lernortkooperation funktioniert nicht.
Gerade in der generalistischen Ausbildung, in der Auszubildende mehrere Einsatzorte bei verschiedenen Trägern durchlaufen, ist Abstimmung zwischen den Lernorten nicht optional – sie ist zwingend. Aber ohne einen gemeinsam getragenen Ausbildungsplan bleibt jeder Einsatzort eine Insel.

Herausforderung 4: KI verändert die berufspädagogische Arbeit – und kaum jemand ist darauf vorbereitet.
Hier ist die ehrliche Wahrheit: KI ist kein Hype. KI verändert, wie Wissen erworben, wie gelernt und wie gelehrt wird. Auszubildende nutzen bereits heute KI-gestützte Tools. Als Praxisanleitung oder Lehrkraft müssen Sie in der Lage sein, diese Entwicklung pädagogisch zu begleiten – reflektiert, kompetent, ohne Angst, aber auch ohne blinden Aktionismus.

Das bedeutet konkret: Sie müssen KI selbst verstehen und einordnen können. Sie müssen wissen, wo KI sinnvoll eingesetzt werden kann – zum Beispiel bei der Erstellung von Arbeits- und Lernaufgaben, bei der individualisierten Lernbegleitung, beim Monitoring von Lernerfolgen. Und Sie müssen wissen, wo berufspädagogische Kompetenz durch keine KI ersetzt werden kann.

Anpassungsmöglichkeiten: Was jetzt zu tun ist – konkret und mit Plan

Ich bin kein Freund von vagen Appellen. Deshalb nenne ich Ihnen, was jetzt konkret hilft.

Erstens: Den betrieblichen Ausbildungsplan als strategisches Instrument begreifen.
Nicht als Formular, das abgeheftet wird – sondern als lebendiges Steuerungsdokument, das die gesamte praktische Ausbildung in Ihrer Einrichtung rahmt. Ein guter betrieblicher Ausbildungsplan kann schrittweise entwickelt werden. Einmal gut erstellt, muss er nur noch angepasst werden, wenn sich schulische Lehrpläne oder gesetzliche Vorgaben ändern. Die Investition lohnt sich – für Jahre.

Zweitens: Auf der Grundlage des Rahmenplans der Fachkommission arbeiten.
Die Fachkommission nach § 53 PflBG hat einen Rahmenlehrplan für die praktische Ausbildung erstellt. Dieser Rahmen ist Ihre Ausgangsbasis. Von dort aus konkretisieren Sie die Kompetenzen bezogen auf Ihre spezifische Versorgungsform – stationäre Langzeitpflege, ambulante Pflege, Akutpflege, Rehabilitation, pädiatrische Pflege.

Drittens: Modularität nutzen.
Wenn Sie mit Kooperationspartnern zusammenarbeiten, können Sie die Bausteine des betrieblichen Ausbildungsplans arbeitsteilig entwickeln. Jede Einrichtung entwickelt das Modul für ihren Einsatzbereich – und tauscht es mit den Partnern. Das spart Ressourcen und stärkt die Lernortkooperation.

Viertens: Fortbildung als Investition in die eigene Handlungskompetenz verstehen.
Praxisanleitungen und Lehrkräfte, die wissen, wie ein guter betrieblicher Ausbildungsplan entsteht, wie er didaktisch umgesetzt wird und wie KI dabei sinnvoll eingesetzt werden kann, sind besser in ihrer Rolle. Sie sind sicherer in ihrer berufspädagogischen Arbeit. Und sie leisten damit einen direkten Beitrag zur Fachkräftesicherung.

Genau das biete ich in meinen Seminaren an – für Praxisanleitungen und seit Kurzem auch für Lehrkräfte und Teams an Pflegeschulen.

Fünftens: KI gezielt und reflektiert einsetzen.
KI ist ein Werkzeug. Kein Ersatz für berufspädagogische Kompetenz. Aber ein Werkzeug, das – richtig eingesetzt – Entlastung bringt. Zum Beispiel bei der Erstellung von Arbeits- und Lernaufgaben: Was früher Stunden dauerte, dauert mit KI-Unterstützung Minuten. Vorausgesetzt, Sie können die Ergebnisse fachlich und didaktisch einordnen und anpassen. Das ist die neue Kompetenz, die Sie brauchen.

Zusammenfassung: Warum der betriebliche Ausbildungsplan jetzt strategisch wichtiger ist als je zuvor

Der betriebliche Ausbildungsplan ist nicht irgendein Verwaltungsdokument. Er ist das Herzstück kompetenzorientierter Pflegeausbildung.

Er verbindet schulische Lerninhalte mit betrieblichen Lernsituationen. Er gibt Praxisanleitungen Orientierung und Sicherheit. Er schützt Auszubildende vor dem Zufallsprinzip. Er schützt Träger der praktischen Ausbildung rechtlich. Und er ist die Grundlage für eine Lernortkooperation, die diesen Namen verdient.

In einer Zeit, in der die Pflegeausbildung komplexer wird, in der KI neue Möglichkeiten und neue Anforderungen schafft, in der der Fachkräftemangel kein abstraktes Zukunftsproblem mehr ist – in dieser Zeit ist ein gut entwickelter, didaktisch fundierter und konsequent umgesetzter betrieblicher Ausbildungsplan kein Luxus. Er ist das Minimum.

Die Praxisanleitungen und Lehrkräfte, die ich in meinen Seminaren erlebe, sind motiviert. Sie wollen gute Ausbildung machen. Ihnen fehlt oft das Handwerkszeug, die Zeit und der institutionelle Rückhalt. Das lässt sich ändern.

Die Botschaft: Berufspädagogische Kompetenz ist kein Selbstläufer

Wer heute die Ausbildung der Pflegefachkräfte von morgen verantwortet – ob als Praxisanleitung oder als Lehrkraft –, steht vor einer historisch einmaligen Aufgabe: eine komplexe, generalistische Ausbildung zu gestalten, die gleichzeitig rechtskonform, kompetenzorientiert, lernortübergreifend abgestimmt und KI-informiert sein muss.

Das ist herausfordernd. Aber es ist machbar.

Nicht mit Improvisation. Nicht mit gutem Willen allein. Sondern mit Wissen, mit Methode und mit dem Mut, die eigene berufspädagogische Rolle wirklich auszufüllen.

Der betriebliche Ausbildungsplan ist Ihr Werkzeug. KI ist Ihr Assistent. Und berufspädagogische Kompetenz ist Ihre Kernkompetenz. Daran ändert auch die intelligenteste Software nichts.

Meine Frage an Sie

Können Sie heute sagen, dass Ihr betrieblicher Ausbildungsplan die Lernprozesse Ihrer Auszubildenden wirklich steuert – oder ist er hauptsächlich ein Dokument, das im Ordner wartet?

Jetzt ist der Moment: Machen Sie sich mit dem Thema vertraut und arbeiten Sie sich intensiv ein. In meinen Seminaren – für Praxisanleitungen und für Lehrkräfte und Schulteams – erarbeiten wir gemeinsam, wie ein betrieblicher Ausbildungsplan wirklich funktioniert, wie er didaktisch umgesetzt wird und wie KI dabei sinnvoll eingesetzt werden kann.

Ich freue mich auf Ihre Anmeldung.

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Und gute Ausbildung braucht engagiertes Bildungspersonal. Mit dem richtigen Rüstzeug.

Ihre Tina Knoch
Geschäftsführerin QUESAP GmbH
Expertin für Struktur und Prozessoptimierung in der praktischen Ausbildung in Pflege und Gesundheitsfachberufen

Tina